
Der Muttersberg
Auf den Spuren der Zeit
Meine Wanderung auf dem Muttersberg führt mich vorbei an historischen Spuren, die in vergangene Zeiten entführen. Ein leerstehendes Gebäude mit der Aufschrift „Gasthof Muttersberg“ zieht meine Aufmerksamkeit auf sich und weckt meine Neugierde, mehr über die Geschichte dieses Ortes zu erfahren. Der Muttersberg ist nicht nur ein beliebtes Ausflugsziel mit abwechslungsreichen Wandermöglichkeiten, sondern auch ein Ort voller lebendiger Geschichte, die bis in die Römerzeit zurückreicht.
Du bist neugierig auf die Geschichten, die der Muttersberg zu erzählen hat? Dann begleite mich auf dieser Reise durch die Zeit.
Schon zur Römerzeit wurden die Wälder am Madeisakopf gerodet und als Viehweiden genutzt. Doch erst durch die Walserwanderungen im 14. Jahrhundert wurde der Muttersberg zur Heimat für Walser Bäuerinnen und Bauern. Man kann sich leicht vorstellen, dass das Leben auf über 1.400 Metern kein Zuckerschlecken war. Aber die Walser, ein Bergvolk aus dem Schweizer Kanton Wallis, waren bekannt dafür, auch in schwer zugänglichen Regionen Landwirtschaft zu betreiben. Getreide wuchs in dieser Höhe zwar nicht, doch das störte sie wenig – Kartoffeln, Milch, Käse und Fleisch standen auf ihrem Speiseplan. Die Heuwirtschaft war dabei ein echter Knochenjob: Die Bauern trugen die „Heuburden“ auf dem Kopf von den Wiesen zu den Ställen. Diese Burden wogen über 50 Kilogramm, und etwa 20 Mal am Tag machten sie sich mit dieser Last auf den Weg. Besonders im Winter, wenn der einstündige Fußweg ins Tal oft unpassierbar war, wurden die Lebensumstände hart. Jedes Mal, wenn ich auf den Muttersberg wandere, frage ich mich, wie es wohl gewesen wäre, hier oben zu leben und ständig diesen beschwerlichen Weg auf sich zu nehmen. Die Höfe wechselten oft ihre Besitzerfamilien, doch auffällig ist, dass viele von ihnen den Namen „Muther“ trugen – vermutlich der Grund, warum die Siedlung am Madeisakopf heute Muttersberg heißt.
Der letzte Muttersberger
Der letzte Bewohner des Muttersberg zog 1969 ins Tal. Seitdem dient der Muttersberg rein als Naherholungsgebiet und Ferienort.
Immer mehr Höfe wurden aufgegeben und nur noch als Ferienhäuser genutzt. Als Naherholungsgebiet blieb der Muttersberg jedoch beliebt, und so wurde die passende Infrastruktur geschaffen. Die wohl bekannteste davon ist die Seilbahn Muttersberg. Nach meiner Wanderung kehre ich im Alpengasthof Muttersberg an der Bergstation ein und treffe Johann "Hansi" Bandl zu einem Gespräch.
Die Seilbahn auf dem Muttersberg war immer schon ein ökonomisches Sorgenkind.
Johann Bandl
Geschäftsführer Muttersbergbahn
Er berichtet, dass die Seilbahn 1955 erbaut wurde. Anfangs waren die Besuchszahlen gut, doch die prognostizierten Zahlen konnten in den Folgejahren bei weitem nicht erreicht werden. Im Jahr 1970 stand die Stilllegung der Bahn zur Diskussion, doch die Gemeinde Nüziders und die Stadt Bludenz stellten erhebliche finanzielle Mittel bereit, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. Gottseidank! Nach einer Erneuerung der Gondeln im Jahr 1992 stellte man bereits 1999 fest, dass auch die Tragseile erneuert werden mussten. Infolgedessen verkauften die Stadt Bludenz und die Gemeinde Nüziders die Bahn an die Nova Bergbahngesellschaft, allerdings unter bestimmten Auflagen. Diese modernisierte die Bahn und errichtete den heutigen Alpengasthof Muttersberg. Die Silvretta-Nova Bergbahnen-Gesellschaft übernahm schließlich die Betriebsgarantie. Trotzdem entschieden sie sich etwa zehn Jahre später, aus dem Muttersberg auszusteigen. Die Geschichte des „ökonomischen Sorgenkindes“ setzte sich fort. Doch die Liebe der Einheimischen zum Muttersberg rettete die Seilbahn, denn sie kam in Privatbesitz. Vier Bürger aus Bludenz und Nüziders setzten sich dafür ein – einer von ihnen ist der heutige Teilhaber und operative Geschäftsleiter Johann Bandl, der mir gerade gegenüber sitzt.
Wer hätte gedacht, dass sich hinter dem Muttersberg eine so faszinierende Geschichte verbirgt? Trotz aller Schwierigkeiten bleibt der Erhalt der Seilbahn und des Alpengasthofes ein wichtiges Anliegen der Bevölkerung. Die Betreiber sehen sich als Verantwortliche gegenüber der Region, denn der Muttersberg ist besonders für die Einheimischen ein unverzichtbares Naherholungsgebiet.
Wir haben 80 % Einheimische Gäste am Muttersberg.
Johann Bandl
Geschäftsführer Muttersbergbahn