Klettern in der Bürser Schlucht

Wo Fels und Abenteuer aufeinandertreffen

Die Bürser Schlucht kannte ich bisher nur von Wanderungen – ein Naturwunder, das mit seinen steilen Wänden und dem rauschenden Bach beeindruckt. Doch diesmal sollte es hoch hinaus gehen: Ich habe gehört, dass sich in der Schlucht ein beachtlicher Klettergarten versteckt. Den Klettergarten „Bürser Platten“ kenne ich bereits, nicht zuletzt durch die spektakulären Leistungen von Beat Kammerlander und Babsi Zangerl an der Route „Prinzip Hoffnung“. Diese glatten Platten allerdings sprengen mein Können – doch drinnen, in der Schlucht, sollen sich auch Routen für uns Normalsterbliche finden lassen.

Meine Freundin und ich haben uns nach mehreren Kletterkursen bestens für das Seillängen-Abenteuer gerüstet. Der Kletterführer der Region, unser neuer bester Freund, verspricht spannende Routen und detaillierte Beschreibungen.

Schon der erste Blick auf die Schlucht ist überwältigend: links und rechts diese mächtigen Wände und dazwischen der Bach, der sich wie ein silbernes Band durch die Landschaft schlängelt. Wow! Auf der linken Seite, „schluchteinwärts“, warten die Kletterwände auf uns. Der Zustieg ist ein bisschen abenteuerlich, aber genau das macht die Sache so reizvoll – nichts für bequeme Füße, aber definitiv lohnenswert.

Hier klettern wir auf Konglomeratgestein. Der Name klingt schon beeindruckend, aber was verbirgt sich dahinter? Konglomerat ist ein Mix aus unterschiedlichen Gesteinsarten – als hätte jemand Lehm genommen und eine Handvoll Steine hineingedrückt. Fürs Klettern ist es manchmal eine kleine Herausforderung, denn man könnte meinen, die Steine würden gleich ausbrechen. Aber keine Sorge, das Gestein ist erstaunlich fest und bietet einen sicheren Halt.

Oben angekommen erwarten uns spannende Routen mit spannenden Namen wie „Jugendtraum“, „Kümmerling“ oder auch „Hoffnung rechts“ und „Hoffnung links“ – eine augenzwinkernde Hommage an die berühmte „Prinzip Hoffnung“.

In den achtziger Jahren bohrten hier Legenden wie Beat Kammerlander, Marco Wasina und Heli Bertel ihre ersten Routen ein – zunächst heimlich, später mit großen Plänen zur Erschließung. Und heute? Heute sind wir es, die diesen Spuren folgen.

Ein kleiner Tritt links, ein größerer rechts, die Finger an einer Leiste – und zack, die Exe geklippt. So liebe ich das! Erleichtert, stolz und ein bisschen verschwitzt lasse ich mich von meiner Freundin wieder abseilen. Doch die nächste Route ruft schon. Was für ein Tag beim Klettern in der Bürser Schlucht.