
Alpines Wasserreich Klostertal
Ein Gespräch mit Christof Thöny
Im Klostertal, verborgen zwischen den majestätischen Gipfeln der Alpen, erzählt das Wasser seit Jahrhunderten eine Geschichte von Leben, Wandel und Überleben. Wo immer man in dieser beeindruckenden Landschaft hinschaut, ist Wasser mehr als nur ein Element – es ist die Lebensader, die das Tal prägt und die Menschen seit Generationen begleitet.
Es beginnt mit den Quellen hoch oben in den Bergen, die sich in rauschenden Bächen und Flüssen vereinen. Der Hauptfluss, die Alfenz, bahnt sich ihren Weg durch das Tal, vorbei an steilen Felswänden und dichten Wäldern. Doch diese Schönheit birgt auch Gefahren: Überschwemmungen und Murenabgänge haben im Laufe der Geschichte oft ihren Tribut gefordert.

Christof Thöny, der Obmann des Museumsvereins Klostertal, kennt diese Geschichten gut. „Das Wasser hier ist wie ein ungestümer Freund“, sagt er lächelnd. „Es gibt dir alles, was du brauchst, aber es fordert auch Respekt.“ In seiner Ausstellung „Alpine Wasserwelt“ zeigt er, wie tief das Wasser in das Leben der Menschen verwoben ist.
Früher nutzten die Klostertaler:innen die Bäche, um Holz ins Tal zu transportieren – eine lebensnotwendige Technik, die im Winter über die vereisten Wildbäche perfektioniert wurde. Doch nicht nur für den Transport, auch für die Bewässerung der Felder war das Wasser entscheidend. Hoch oben an den Berghängen legten die Bewohner:innen schmale Gräben an, um die steilen Wiesen mit lebensspendendem Wasser zu versorgen. Diese „Lätera“ genannten Kanäle sind bis heute sichtbare Spuren einer Zeit, in der das Überleben im Tal harte Arbeit und Erfindungsreichtum erforderte.
Wasser war im Klostertal jedoch nicht nur ein Segen. Es brachte auch Zerstörung mit sich. Besonders das verheerende Hochwasser von 1910 ist noch in vielen Erinnerungen präsent. Die Alfenz, sonst ein ruhiger Fluss, verwandelte sich in ein reißendes Ungeheuer, das Brücken zerstörte und das Leben vieler Menschen bedrohte. „Es ist, als würde die Natur uns immer wieder daran erinnern, dass wir ihre Gäste sind“, meint Thöny nachdenklich.
Trotz aller Herausforderungen hat das Wasser den Menschen im Klostertal auch Fortschritt gebracht. Mit dem Bau der Arlbergbahn und später der Wasserkraftwerke, wie dem Spullerseekraftwerk, veränderte sich das Leben im Tal grundlegend. Das Wasser, einst nur zum Überleben genutzt, wurde zur Quelle von Energie und Wohlstand.
Heute, wenn die Sonne auf die glitzernden Bergseen scheint und die Alfenz ruhig durch das Tal fließt, ist es schwer, sich die Urgewalt vorzustellen, die dieses Element in sich trägt. Doch die Menschen im Klostertal haben gelernt, mit dem Wasser zu leben – es zu respektieren, zu nutzen und sich gleichzeitig vor ihm zu schützen.
Das Wasser im Klostertal ist weit mehr als nur ein natürlicher Rohstoff. Es ist der Herzschlag einer Region, die sich über Jahrhunderte hinweg immer wieder den Herausforderungen der Natur gestellt hat. Und es erzählt eine Geschichte von Leben, Wandel und der engen Verbindung zwischen Mensch und Natur – eine Geschichte, die bis heute fortgeschrieben wird.