
Auf den Spuren des Winters im Frühling
Eine Schneeschuhwanderung auf das Muttjöchle
Manchmal fühlt sich das Leben im Klostertal wie ein Leben zwischen den Jahreszeiten an. Unten im Tal ist der Schnee bereits geschmolzen, und der Frühling hält langsam Einzug, während es in den Bergen noch tiefster Winter ist. Dieser Kontrast fasziniert mich immer wieder.
An einem solchen Tag, wenn im Tal die ersten Frühlingsblumenknospen sprießen, fahre ich gerne hinauf auf den Sonnenkopf, schnalle meine Schneeschuhe fest, überprüfe meine Sicherheitsausrüstung und richte meinen Blick auf das heutige Ziel: das Muttjöchle. Ein Gipfel, der tolle Weitblicke verspricht.
Der Aufstieg beginnt auf einem Winterwanderweg, anfangs ist es steil. Doch schon bald verlasse ich den offiziellen Weg. Hier, weit entfernt von der Hektik des Alltags, bin ich allein mit dem Knirschen des Schnees unter meinen Schneeschuhen. Die Stille erfreut mich jedes Mal aufs Neue. Die Stille tut mir unglaublich gut.
Mit jedem Schritt weitet sich der Blick auf die umliegenden Berge – in Richtung Arlberg, Lechquellengebirge und Verwall. Als ich schließlich den Gipfel auf 2.078 Metern Höhe erreiche, atme ich tief durch und genieße es, hier zu sein.
Der Rückweg führt mich zum Bergrestaurant Muttjöchle, wo ich auf der Terrasse bei einer Tasse Tee meine Schneeschuhwanderung Revue passieren lasse.
Auf dem Weg zurück zur Bergstation entdecke ich im Schnee eine einfache Botschaft: „Danke“. Ein Wort, das in diesem Moment genau das ausdrückt, was ich fühle – Dankbarkeit für diesen Tag und den Winter auf dem Sonnenkopf, während anderswo bereits der Frühling Einzug gehalten hat.