Unser Tag beginnt früh. Das Morgenlicht bricht durch die Bäume und der Duft des Waldes liegt in der Luft. Es ist ruhig bis auf das leise Rascheln im Unterholz und das Zwitschern der ersten Vögel. Zeichen dafür, dass wir nicht allein sind. Hier, im Herzen der Europaschutzgebiete leben Tiere, die diese besonderen Lebensräume als Rückzugsorte brauchen. Unser Alltag als Gebietsbetreuung in den Europaschutzgebieten „Verwall“ und „Klostertaler Bergwälder“ ist so abwechslungsreich wie die Landschaft selbst – mal fordernd, mal faszinierend, aber niemals langweilig.
Monitoring: Auf der Spur der Haselmaus - Kleine Akrobaten im dichten Laub
Die Haselmaus ist eines der Tiere, das unsere Aufmerksamkeit besonders erfordert. Sie ist winzig, flink und lebt versteckt in den dichten Laub- und Mischwäldern der Klostertaler Bergwälder. Hier findet sie im Unterwuchs Schutz und Nahrung – ideal für ein solches kleines Nagetier. Vor einiger Zeit haben wir Nisthilfen in den Wäldern aufgehängt, mit deren Hilfe wir erforschen wollen, wo die Haselmaus im Klostertal vorkommt.
Und tatsächlich: Letztes Jahr haben wir zwei bestätigte Haselmaus-Nachweise gefunden. Jedes Mal, wenn wir die Nisthilfen kontrollieren, ist es ein wenig wie ein Überraschungsei – wird wieder eine Haselmaus dabei sein? Was auf den ersten Blick wie ein kleiner Erfolg scheint, hat große Bedeutung. Es zeigt uns, dass der Lebensraum intakt ist undwir erfahren mehr über die Verbreitung dieser heimlich lebenden Art in Vorarlberg.
Lebensraumerhaltung: Brazer Allmein - Der einzige Lebensraum des Neuntöters im Klostertal
In der Brazer Allmein engagieren wir uns für den Erhalt des Lebensraums für den Neuntöter. Dieser seltene Vogel, der im Klostertal nur noch mit wenigen Brutpaaren auf der Brazer Allmein zuhause ist, ist auf eine ganz bestimmte Landschaft angewiesen: Sonnige und artenreiche Magerwiesen und -weiden mit Sträuchern und Gebüschen, in denen der Neuntöter sein Gelege vor Fressfeinden schützen und die „Ansitzjagd“ auf Insekten durchführen kann. Um dieses empfindliche Gleichgewicht zwischen offenen Magerweiden und Sträuchern zu bewahren, unterstützen wir vom Naturschutzverein die Bewirtschafter der Allma bei der Gehölzpflege und bei der Beseitigung von unliebsamen Pflanzen auf der Weidefläche wie Adlerfarn und Zwergholunder. Tatkräftige Hilfe erhalten wir dabei von zahlreichen Freiwilligen, die sich für den Erhalt dieser besonderen Kulturlandschaft einsetzen wollen. Diese Arbeit klingt vielleicht unspektakulär, aber mit jeder Aktion tragen wir ein kleines Stück zum Fortbestand dieser einzigartigen Art bei.
Vielfaltertage: Gemeinsam anpacken und Lebensräume erhalten
Die Vielfaltertagesind für uns jedes Jahr ein Höhepunkt. An diesen Tagen kommen Menschen zusammen, die die Natur lieben und bereit sind, anzupacken. Es wird aufgeräumt, geschnitten, gepflanzt – und am Ende des Tages sieht man, was man geschafft hat. Beim letzten Vielfaltertag im Europaschutzgebiet Verwall haben wir uns auf die Lebensräume von Auerhuhn und Haselhuhn konzentriert. Mit Spaten und Schaufeln haben wir Vogelbeeren gepflanzt, Moore entbuscht und Fichtenverjüngungen aufgelichtet. Diese Arbeiten sind mühsam, aber sie machen auch stolz, weil sie direkt sichtbar zur Verbesserung der Lebensräume beitragen. Die Vielfaltertage bieten weit mehr als nur körperliche Arbeit; neben dem praktischen Anpacken nehmen die Teilnehmer:innen auch wertvolle Erkenntnisse mit. Es geht vor allem darum, gemeinsam etwas zu bewirken, Erfahrungen auszutauschen und mehr über die Schutzgüter sowie die Bedeutung unserer Maßnahmen zu erfahren.
Gebietsaufsicht: Information und Aufklärung
An sonnigen Sommertagen findest Du uns oft mitten im Schutzgebiet, stets mit wachem Blick auf die Natur und einem offenen Ohr für die Besucherinnen und Besucher. Wir achten darauf, ob alles im Gleichgewicht ist, ob Wege und Lebensräume respektiert werden. Oft kommen wir ins Gespräch, teilen Wissen über die besonderen Schutzgüter oder informieren über die geltenden Bestimmungen.
Besonders (E-)Mounatinbiker stellen uns zunehmend vor Herausforderungen, wenn sie abseits der ausgeschilderten Routen unterwegs sind oder die für Wildtiere wichtigen Ruhezeiten im Frühjahr und Herbst übersehen. Auch Drohnenflüge oder freilaufende Hunde sind Themen, die wir im Blick behalten, um die Natur best möglichst zu schützen.
Uns ist bewusst, dass viele Besucher:innen nicht aus Absicht die Regeln missachten, sondern oftmals aus fehlendem Wissen. Daher setzen wir auf Geduld und Aufklärung, um gemeinsam ein besseres Verständnis für die sensiblen Bereiche der Natur zu schaffen. Oft sind es nur kleine Eingriffe, die das empfindliche Gefüge der Natur stören. Durch Informationsgespräche klären wir über Notwendigkeiten auf.
Wintereinsätze: Was macht die Schutzgebietsbetreuung eigentlich im Winter?
Wenn der Schnee das Tal in eine weiße Decke hüllt, ist unsere Arbeit längst nicht getan. Auch im Winter sind wir in den Schutzgebieten unterwegs. An sonnigen Tagen stehen wir an beliebten Einstiegen ins Gelände und informieren Wintersportlerinnen und Wintersportler über die Bedeutung der Schutzgebiete. Gerade im Winter brauchen die Tiere ihre Ruhe, und nur wenn die Besucher:innen die vorgegebenen Korridore – wie z.B. am Glattingrat im Verwall – einhalten, können wir die wichtigen Rückzugsräume für Schneehuhn, Birkhuhn und Co. erhalten. Es ist ein Balanceakt zwischen der Freude am Wintersport und dem Respekt vor der Natur. Unser Ziel ist es, beides in Einklang zu bringen.
Manchmal sind es die kleinen Momente, die einen Besuch in der Natur zu einem einmaligen Erlebnis machen. Wenn man mitten im Wald einen scheuen Blick eines Rehs erhascht, wenn Du den majestätischen Steinadler am Himmel kreisen siehst oder wenn Du das Hämmern eines Spechts hörst. Genau solche Erlebnisse prägen auch unseren Alltag in der Schutzgebietsbetreuung. Und vielleicht fragst Du Dich jetzt: Wie fühlt sich das an, selbst Teil dieser Arbeit zu sein? Die Antwort lässt sich nicht in Worte fassen – sie lässt sich nur erleben. Ob bei einem Vielfaltertag oder einer Exkursion: Es gibt viele Wege, diese Besonderheiten der Europaschutzgebiete im Klostertal kennenzulernen.
Stefanie Peiker Naturschutzverein Verwall-Klostertaler Bergwälder
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