
Der Bretone, die Walserin und ihre Bio-Keks Manufaktur
Eine Erfolgsgeschichte der besonderen Art
Kekse. Wer liebt sie nicht? Sie sind in der Regel süß und haben Kalorien. Doch wenn schon ein Keks, dann sollte er vollwertig, biologisch und regional sein – und richtig gut schmecken. Genau das dachten sich auch Sabine und Xavier, die im Großen Walsertal ihre Bio-Keks-Manufaktur betreiben. Der Walserin und dem Bretonen* sind dabei vor allem die Herkunft der Zutaten und die Transparenz gegenüber ihrer Kundschaft wichtig. Einzigartige Rezepte zu entwickeln, die den hohen Qualitätsansprüchen gerecht werden und geschmacklich überzeugen, braucht jedoch Zeit. Diese nehmen sich die beiden gerne und tüfteln an den perfekten Keksrezepten. Ihre Begeisterung für Neues, die Liebe zur Arbeit, zum Handwerk und zur Natur treibt sie an und motiviert sie immer wieder. Neben süßen Keksen gehören auch herzhafte Bergkäse-Snacks zum Sortiment, ebenso wie eine vegane Kekssorte.
Die Bio-Keks-Manufaktur liegt in der kleinen Gemeinde Raggal im Biosphärenpark Großes Walsertal. Sie ist zudem ein Ort für wechselnde Kunstausstellungen und kleinere Veranstaltungen.
Im Gespräch mit Sabine & Xavier
Nach der ersten Kostprobe der köstlichen Bio-Kekse ist schnell klar: Dahinter steckt eine besondere Geschichte. Genau dieser möchte ich auf den Grund gehen und besuche Sabine und Xavier in ihrer Manufaktur. Neugierig, wie ich bin, beginne ich ganz am Anfang. Mich interessiert, wie sich Sabine aus einem kleinen Dorf im Großen Walsertal und Xavier aus der Bretagne in Frankreich kennengelernt haben. „In einem anderen Walserdorf, nämlich in Brand! Damals lebte Xavier noch in Zürich.“, schmunzelt Sabine. Sein Interesse an Sabine und der Region war groß und bald war klar, dass die beiden zusammengehören. „Xavier war schon immer ein Reisender. Neben Zürich lebte er auch lange in London und Irland“, erfahre ich. Der Umzug ins Große Walsertal fiel ihm also nicht schwer. „Ich war zwar schon lange nicht mehr in meiner Heimat, aber in der Bretagne ist meine Seele zuhause“, fügt Xavier hinzu.
2015 nahmen die beiden an einem Workshop zur regionalen Tourismusentwicklung im Biosphärenpark Großes Walsertal teil. Schon damals hatten sie insgeheim die Idee einer eigenen Manufaktur im Kopf. Als während der Veranstaltung der Gedanke aufkam, dass zu einem guten Kaffee doch ein regionaler Keks perfekt wäre, sagten Sabine und Xavier: „Ja, wir machen das!“ Das war der Anfang einer außergewöhnlichen Geschichte.
„Es war uns ein Anliegen, etwas Gemeinsames aufzubauen. Wir kochen gerne, backen gerne und lieben gute Lebensmittel“, erzählt mir Sabine. Da lag es nahe, dass sie sich den Bio-Keksen verschrieben haben. Xavier, ein gelernter Patissier mit langjähriger Erfahrung bei einem internationalen Lebensmittelkonzern, hatte die Idee schon länger im Kopf. „Bei diesem Workshop wurde uns klar, dass wir es wirklich umsetzen wollen“, schildern die beiden. Ich staune – das muss man sich erst einmal trauen.
Ein absolutes Herzensanliegen der beiden ist der bewusste Umgang mit der Natur und den Lebensmitteln, die sie uns schenkt. „Wir wollten keine gewöhnlichen Kekse machen, sondern Bio-Kekse. Das passt auch perfekt zum Biosphärenpark, in dem wir leben“, betont Sabine.
Die Anfänge der Bio-Keks-Manufaktur
„Die ersten Kekse haben wir tatsächlich in der Propstei St. Gerold produziert“, erinnern sie sich. Bald mussten sie jedoch einen neuen Ort finden. Lange waren sie in Miete, in der Walserhalle und im Bregenzerwald. Im November 2019 entschieden sich Sabine und Xavier schließlich, nach Raggal zurückzukehren und ihre eigene Manufaktur aufzubauen. Gesagt, getan: Im März 2020 begannen die Umbauarbeiten, und im Oktober desselben Jahres eröffneten sie ihre Bio-Keks-Manufaktur samt Coffeeshop in Raggal. „Wir haben alles selbst aufgebaut. Es war eine intensive Zeit, aber jetzt stehen wir stabil da“, berichten sie stolz. Wir würden uns aber wünschen, dass es für Start-ups in Vorarlberg mehr Unterstützung gäbe als nur Büroflächen, ergänzen sie.
Sabine, ursprünglich Ergotherapeutin, verbringt ihre Freizeit gerne in der Natur oder in der Küche – das Backen ist ihre große Leidenschaft. Als Quereinsteigerin musste sie sich das nötige Wissen selbst aneignen. „Über einen Konditorkurs im Wifi Graz habe ich einen guten Grundstamm an Kenntnissen erworben“, verrät sie mir.
Neugierig frage ich, wie ein typischer Arbeitsalltag bei ihnen aussieht. „Wir machen vieles gemeinsam, aber es gibt auch Aufgaben, die entweder Xavier oder ich allein erledigen“, erzählen sie. Sabine kümmert sich hauptsächlich um die Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation. Xavier ist der Experte in der Rezeptentwicklung und Produktion. „Wobei wir immer alles in gemeinsamer Absprache entscheiden. Es gibt auch Rezepte, die von mir stammen, wie zum Beispiel der vegane Keks oder der Schoki-Keks“, fügt Sabine hinzu. Schnell merke ich, dass die beiden ein eingespieltes Team sind, das sich perfekt ergänzt.
Herausforderungen und Zukunftspläne
Der Weg zur eigenen Bio-Keks-Manufaktur war nicht immer einfach. Neben den sprachlichen Barrieren von Xavier und der Suche nach einer passenden Produktionsstätte stellte auch die Bürokratie eine Herausforderung dar.
„Macht ihr das alles noch zu zweit?“, frage ich. „Ja, momentan noch, aber es fängt langsam an knapp zu werden. Eventuell brauchen wir bald Unterstützung für den Laden und die Produktion“, antworten die beiden. Alle Kekse werden in Raggal produziert, und Sabine und Xavier haben jede Packung mindestens einmal in der Hand.
Sabine und Xavier über die Bedeutung von Regionalität
Ich frage, was Regionalität für sie bedeutet. „Für uns hat Bio oberste Priorität, noch vor Regionalität. Solange die Produkte biologisch sind, kann Regionalität auch mal weiter gefasst werden“, antwortet Sabine.“ So beziehen sie beispielsweise Schokolade aus Übersee oder Äpfel aus der Steiermark. Wichtig ist den beiden, dass sie alle ihre Lieferant:innen persönlich kennen und wissen, wo die Lebensmittel herkommen.
Auf die Frage, warum Regionalität so wichtig sei, antworten sie klar: „Zum einen wegen des Klimaschutzes, zum anderen, um heimische Betriebe zu unterstützen. Wir wünschen uns, dass die ganze Welt Bio-Landwirtschaft betreibt“, antwortet Sabine weiter.
Das Leben im Biosphärenpark
„Die große Artenvielfalt, die unberührte Natur inmitten der Berge. Viel Wald und Wiese, viele unbebaute Plätze, die Ruhe und die gute, reine Luft. Das ist großes Glück“, schwärmt Sabine. Der Biosphärenpark Großes Walsertal ist für sie ein Paradies.
Abschließend
Zum Schluss verrät mir Sabine, dass ihre Bio-Kekse bei „Sutterlüty“ sowie in Bio-Läden und Käsehäusern erhältlich sind. Auch Gastronomiebetriebe bieten ihre Kekse an.
Abschließend habe ich noch eine Frage an die beiden: „Sabine und Xavier, was wollt ihr den Menschen noch mitgeben, wie lautet eure Botschaft?“ Ihre Antwort kommt prompt: „Leben, Lieben, Lernen, Lachen. Das Leben genießen! Das ist das, was wir weitergeben möchten.“
* Xavier stammt aus der Bretagne. Dieser Teil war früher unabhängig von Frankreich und deswegen nennen sich die Einheimischen „Bretonen“, sie haben auch eine eigene Sprache, „bretonisch“.