
Die Magie des wilden Wassers
Raue Kraft und ungestüme Schönheit
Stell Dir vor, Du stehst am Ufer eines wilden Baches, dessen Wasser mit unbändiger Kraft über die Steine und Felsen rauscht. Schließe Deine Augen. Was fühlst Du? Glück? Dankbarkeit? Vielleicht auch etwas Demut?
Wildwasser ist nicht nur ein Naturschauspiel, sondern auch ein Symbol für unbändige Lebensenergie und erinnerte uns an die ungezähmten Kräfte der Natur. Schroffer Fels und Wasser in seinen verschiedensten Formen prägen seit jeher die Landschaft des Klostertals. Die Alfenz schlängelt sich als Hauptfluss über 26 Kilometer durch das Tal. Zahlreiche Zuflüsse bahnen sich ihren Weg über felsdurchsetztes Gelände und haben mancherorts markante Wasserfälle und tiefe Tobel gebildet.
Der Fallbach-Wasserfall gehört zu den größten Österreichs: die Fallbachwand ragt hoch über den beiden Feriendörfern Dalaas und Braz empor. Das Wasser stürzt dort über die steile Felskante von 1.400 Meter Höhe hinab. Wie ein gleißendes, weißes Band, sieht der Fallbach aus der Ferne aus. Der Anblick dieses beeindruckenden Naturschauspiels regt Gedankenspiele an: während das Wasser in einem stetigen Strom fließt, scheint der Wasserfall selbst in seiner Form beständig. Wir spüren die Macht der Natur und erkennen darin auch ihre unbestechliche Schönheit. Dieser Naturgewalt wohnt gleichzeitig eine schöpferische Kraft inne. Das Wasser, das sich über Felsen und Klippen ergießt, formt die Landschaft, gestaltet Täler, Höhlen und Seen. Der Prozess mag gewaltsam erscheinen, ist gleichzeitig aber Quelle neuen Lebens – Pflanzen gedeihen, Tiere finden Lebensraum. Ein Panoramasteig bringt Dich bis zum Fuße des imposanten Fallbach-Wasserfalls; eine anspruchsvolle Kletterroute führt die steile Fallbachwand empor und bietet beeindruckende Weitblicke.
Das Klostertal hat jedoch noch weitere Sehenswürdigkeiten zu bieten, die durch das Element Wasser geprägt sind. In der Ortschaft Klösterle befindet sich mit der Wäldletobelbrücke ein Highlight der Kunstbauten der Arlbergbahn. Das eindrucksvolle Viadukt ist Zeugnis der Handwerkskunst trentinischer Maurer, die das Gebäude im Zuge der Errichtung der Arlbergstrecke erbauten. Heute kann hier ein Lehrweg begangen werden, der bis in die eindrucksvolle Wäldletobelschlucht führt. Dort rauscht der Wäldlebach unablässig über fast senkrechte Felswände hinab Richtung Tal. Nach Unwettern kann der sprudelnde Wildbach zu einem reißenden Strom anschwellen und eine mitunter zerstörerische Kraft entwickeln. An warmen Sommertagen belebt Dich die kühle Frische seiner Gischt, die aus der Tiefe emporsteigt.
Auf der Liste der sehenswerten Naturdenkmäler reiht sich auch der Mason-Wasserfall in Braz, der eine beeindruckende Fallhöhe von 80 Metern aufweist. Gespeist wird dieser von der Quelle des Masonbachs, welcher auf höher gelegenen Masonalpe entspringt. Beim Gemeindeamt Innerbraz starten bis in den Oktober hinein regelmäßig geführte Wanderungen zu diesem imposanten Naturschauspiel.
Dem Element Wasser begegnet man im Klostertal in vielerlei Form – vom kleinen Wildbach bis zum Hauptfluss, vom Biotop bis zum See. Wasserfälle ziehen einen durch ihre raue Kraft und majestätische Schönheit besonders in den Bann. Das Wasser, das unweigerlich den Felsen hinabstürzt, ist wie der Mensch, der sein Leben durchläuft, ohne die Richtung oder den Verlauf seiner Existenz vollständig kontrollieren zu können. Doch genau darin liegt auch eine spezielle Art von Freiheit.